Kreatives

Die Höhle im Wald

Es war einmal ein junges armes Mädchen, das von seiner Mutter Tag für Tag zum Putzen und
Helfen im Haushalt gezwungen wurde. Eines Tages beschloss sie, von zu Hause wegzulaufen. Sie
lief den breiten steinernen Weg, direkt neben ihrem Haus, entlang, hinein in den tiefen und
immer dunkler werdenden Wald. Sie lief und lief, und ohne dass sie ein Ziel vor Augen gehabt
hätte, irrte sie im Wald umher. Sie wusste nur, sie würde nicht wieder umkehren und zu ihrer
Mutter zurückgehen. Es wurde immer später, bis tief in die Nacht lief das arme Mädchen im Wald
umher. Sie sah eine Schar von Wölfen und begann diesen unauffällig zu folgen. Nach langer Zeit
kamen sie zu einer Höhle, vor der noch mehr Wölfe zu sehen waren. Ein großer Wolf kam aus der
Höhle heraus, stellte sich auf einen Hügel und sprach zu den vielen anderen Wölfen. Er sagte, dass
sich hier im Wald seit kurzer Zeit wieder die goldene Schlange Mauri aufhalten würde, und es
wären noch viele weitere bunte Schlangen, die seit kurzem wieder im Wald herumkriechen
würden. Alle müssten deshalb weg von hier, denn die goldene Schlange sei ihr größter Feind. Es
brach eine Panik unter den Wölfen aus und auch das Mädchen, das sich hinter einer großen Eiche
versteckt hatte, bekam plötzlich ein mulmiges Gefühl. Sie sah für einen kurzen Moment auf den
Boden und überlegte, was sie machen sollte, wenn sie dieser gefährlichen goldenen Schlange, die
irgendwo hier im Wald sein sollte, begegnen würde. Als sie wieder nach oben sah, sah sie keinen
einzigen Wolf mehr. Alle waren im Dunklen verschwunden. Sie bekam Angst und beschloss in die
Höhle der Wölfe zu gehen, da würde sie sich sicherer fühlen. Die Höhle war groß, aber trotzdem
gemütlich, und das Mädchen setzte sich in die Mitte. Obwohl es so gemütlich war, fühlte sie sich
allein und einsam und fing bitterlich an zu weinen. Nach einer Zeit schlief sie vor Erschöpfung auf
dem Boden der Höhle ein. Als sie plötzlich etwas am Rücken anstupste, erschrak sie und war
sofort hellwach. Eine Frau, eine wunderschöne Frau stand vor ihr. Sie hatte langes blondes Haar
und trug ein wunderschön grün glitzerndes Kleid. Das Mädchen fragte verwundert, wer sie sei,
was sie hier mache und was sie von ihr wolle. Die Frau fing an zu sprechen. Sie hatte eine helle
weiche und vertraute Stimme und sagte, sie sei die Waldfee und sei so etwas wie die Mutter der
Wölfe. Sie war nur für eine kurze Zeit weg gewesen, doch nun seien alle Wölfe verschwunden.
Das Mädchen erzählte ihr, dass sie beobachtet hatte, wie alle Wölfe in den tiefen dunklen Wald
verschwunden waren, und dass von einer goldenen Schlange die Rede war. „Mauri?!“, sagte die
Waldfee erschrocken. „Wir müssen weg von hier, Mauri ist die gefährlichste Schlange, die ich
kenne. Wir sind Mauri schon einmal begegnet und ihr letzter Satz war: „Ihr werdet ins Kristall,
bald den Fall ins Kristall erleben.“ Das bedeutete nichts Gutes! Wenn wir ihr begegnen würden,
würde sie uns alle in Kristalle verwandeln, die sie dann dem König von Atlantis verkaufen könnte
und mit deren Hilfe sie reich werden würde. Komm mit!“, rief die Fee und stand plötzlich schon
vor der Höhle. Das Mädchen ging auch nach draußen, die Fee fragte sie, wohin sie wolle, doch das
Mädchen hatte kein Ziel, ihr Ziel war es einzig und allein von zu Hause wegzukommen. So nahm
die Fee sie mit, mit auf einen langen Weg, hinaus aus den Tiefen des Waldes. Am Ende waren sie
an einem wunderschönen Ort angekommen, an dem sich auch die Wölfe befanden. Es war ein
heller und freundlicher Ort, anders als ihr dunkles Zuhause, das Haus, in dem sie Tag für Tag
putzen und ihrer Mutter helfen musste, an das sie sich von nun an nur noch selten erinnerte. Sie
lebte zusammen mit der Fee und den Wölfen glücklich an diesem wunderschönen Ort, der wie
eine andere und neue Welt für sie war.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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