Kreatives

Die brennende Hütte

Ein älteres Ehepaar hatte es sich zum Ziel gemacht, einmal in seinem Leben einen Berg in
den Alpen zu besteigen. Auf dem Weg zur Spitze klang beider Atem mehr wie das Geröchel
eines Sterbenden. Die Marquise lief so, als würde sie in jedem Augenblick auf dem Boden
niedersinken. An der Spitze angekommen konnten beide, durch ihre Erschöpfung, die
atemberaubende Landschaft kaum genießen. Ein angenehmer Wind kühlte jedoch ihre
verschwitzten und erhitzten Körper. Sie wussten, dass sie nicht mehr bis zur nächsten
Unterkunft in den Bergen kommen würden und sie machten sich daher Gedanken über
mögliche Alternativen zum Übernachten. Sie hofften einem Unterschlupf in den Bergen zu
finden. In der Ferne erblickten sie eine Hütte und die zwei machten sich bereits in
elendiglicher Verfassung auf den Weg dorthin. Bei der Hütte angelangt, klopfte der
Marchese, im Gleichtakt zu seinem deutlich spürbaren Herzklopfen, an der schlecht
erhaltenen Tür. Sie hörten seltsame Geräusche aus dem Häuslein, daher entschieden sie, in
die Hütte einzusteigen. Sie erblickten einen kleinen Hund, der kläglich winselte. Das Fell des
Hundes war ziemlich verdreckt und er sah aus, als ob sich längere Zeit niemand mehr um
ihn gekümmert hätte, daher beschlossen sie, in der Hütte zu nächtigen und den Hund am
nächsten Tag mitzunehmen. Als der Herr gerade eine Kerze anzünden wollte, knallte die Tür
auf und ein Mann betrat das heruntergekommene Häuslein und schrie sie an. Was er sagte,
war unverständlich, da sein Mund voll mit Brot war, welches man während seines Geschreis
durch den offenen Mund deutlich erkennen konnte. Er hatte es anscheinend vorher
abgebissen. Vor Schreck war dem Marchese die Kerze aus der Hand gefallen und Flammen
breiteten sich schnell in der Hütte aus. Alle drei versuchten die Flammen zu löschen, doch
keiner konnte etwas gegen das Feuer ausrichten. Das Ehepaar rannte aus der Hütte, aber
der Mann und der Hund folgten nicht. Da sie die beiden nicht an einem Flammentod sterben
lassen wollten, gingen sie wieder in die brennende Hütte zurück. Die Frau trug den Hund ins
Freie und der Herr versuchte den Mann nach draußen zu ziehen, doch dieser weigerte sich
vehement und schrie:,, Das ist mein Zuhause und wenn es verbrennt, dann will ich mit ihm
brennen.” Der Marchese verließ gezwungenermaßen die Hütte, um nicht selber in den
Flammen umzukommen. Der Mann verstarb nach kurzer Zeit in seiner brennenden Hütte.

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